Am Freitag, den 28.02.2020, besuchte die Zeitzeugin Anna Hackl die 5. Klassen der HLBLA St. Florian. Der Tag stand dabei ganz im Zeichen des Erinnerns und Gedenkens. Erinnern und Gedenken an die zahlreichen Opfer des NS-Regimes und zugleich eine Mahnung für die jungen Generationen unter uns.

Am Vormittag erzählte Frau Hackl, geb. Langthaler, von den schrecklichen und abscheulichen Erlebnissen rund um die sogenannte „Mühlviertler Hasenjagd“. In der Nacht vom 01. auf den 02. Februar 1945 fand im Konzentrationslager Mauthausen ein Massenausbruch statt. Ca. 500 sogenannte „K-Häftlinge“, zum Tode verurteilte russische Kriegsgefangene des Konzentrationslagers Mauthausen, welche komplett isoliert von den anderen Häftlingen im sogenannten „Todesblock“ (Baracke 20) untergebracht waren, flohen aus dem Lager. In weiterer Folge kam es zu einer Menschenjagd, woran sich die SS, die Hitlerjugend, der Volkssturm und auch viele Bewohnerinnen und Bewohner, vor allem aus dem Raum Mühlviertel, beteiligten. Von Seiten der SS gab es die Vorgabe, keinen Häftling lebend zurückzubringen.

Am Ende überlebten vermutlich nur elf Personen – die Zahlen sind bis heute nicht eindeutig geklärt.

Zwei der Häftlinge, Michail Rybtschinskij († 2008) und Nikolai Zimkolo († 2001), wurde durch die Mithilfe der Familie Langthaler das Leben gerettet. Ihnen wurde unter Lebensgefahr der Bauernhof in Winden (Gemeinde Schwertberg) als Versteck und Unterschlupf gewährt, hätte man sie gefunden, wäre die gesamte Familie Langthaler ermordet worden.

Anna Hackl war zu dieser Zeit 14 Jahre alt und kann sich noch sehr genau an die schrecklichen Erlebnisse erinnern. Vor allem ihre Mutter, Maria Langthaler, setzte sich für das Leben der beiden Häftlinge ein und sicherte so ihr Überleben. Ihre Tochter hat es sich fortan zur Aufgabe gemacht, Schülerinnen und Schüler über diese Zeit zu informieren und auch gleichzeitig mit mahnenden Worten an die junge Generation unter uns zu appellieren: „Bleibt wachsam!

Nach dem Gespräch mit Frau Hackl besuchten die 5. Jahrgänge ebenfalls noch die KZ-Gedenkstätte Mauthausen, wo sie sich im Rahmen von begleiteten Rundgängen mit der Geschichte des Lagers, das Konzentrations- und Vernichtungslager zugleich war, und mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzten.

Im Rahmen der begleiteten pädagogischen Rundgänge beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Aufbau und der Entstehungsgeschichte des Lagers. Am 08. August 1938, fünf Monate nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an das „Deutsche Reich“, wurde mit dem Lagerbau begonnen. Es folgten Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Insgesamt waren im Lagerkomplex Mauthausen – der Lagerkomplex bestand aus dem Hauptlager in Mauthausen sowie insgesamt 52 Nebenlager, z.B. in Gusen, Melk oder Ebensee – in der Zeit zwischen 1938 und 1945 insgesamt über 200.000 Menschen gefangen. Etwas 100.000 starben aufgrund der Gräueltaten der SS und der Funktionshäftlinge sowie aufgrund von Unterernährung und den menschenverachtenden Zuständen in den Lagern.

Die Schülerinnen und Schüler setzten sich im Rahmen der Rundgänge auch mit unterschiedlichen Perspektiven auseinander: Opfer, Täterinnen und Täter und Zeuginnen und Zeugen des Verbrechens.

NS-Gedenkstätten und Gedächtnisorte an die NS-Zeit im Allgemeinen finden sich in allen Bundesländern. Sie sind wichtige Orte für die Erinnerung an das Leiden und Sterben so vieler Menschen und zugleich Herausforderung für das Verstehen: Wie konnte es geschehen bzw. wie konnte eine Gesellschaft bereit sein, diese Verbrechen zu begehen und zu unterstützen?

„Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ (George Santayana)

Die Zeitzeugin Anna Hackl

KZ-Gedenkstätte Mauthausen (Mauthausen Memorial)